CD-Besprechung im FONO FORUM von Mahlers 6. Sinfonie
(31.05.2009)Kühle Köpfe
Trotz aller schwäbischen Sparsamkeit blüht in Stuttgart eine Musiklandschaft, die sich sehen lassen kann. Neben dem Staatsorchester, das vornehmlich seinen Aufgaben in der Oper nachkommt, und dem Sinfonieorchester des SWR leistet sich die Stadt selbst auf kommunaler Ebene die Stuttgarter Philharmoniker. Das Besondere des Klangkörpers ist dabei nicht nur die bemerkenswert konsequente Programmdramaturgie, bei der immer wieder verblüffende Querverbindungen auf den Notenpulten gezogen werden, sondern auch deren engagierte Umsetzung auf einem hervorragenden technischen, klanglichen und interpretatorischen Niveau.
Daher konnte man auch das Risiko eingehen, in aufeinander folgenden Spielzeiten zwei Schwergewichte des Repertoires live einzuspielen: Gustav Mahlers 6. und 7. Sinfonie. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Zunächst vermag die Tontechnik zu verblüffen: So direkt, ausgewogen und zupackend klingt das Orchester in der Stuttgarter Liederhalle. Dann aber ist es die deutlich zur Sachlichkeit neigende Interpretation von Gabriel Feltz, die einen neuen Blick auf die Partituren zulässt. So bleibt die Gefühlstemperatur stets kontrolliert und verliert sich nicht in schwelgerischen Überhitzungen oder abgründiger Starre – selbst im Kopfsatz der 6. Sinfonie. Das kommt vor allem dem Bläserapparat und der Präsenz eine von Mahler genau ausgehörten Instrumentation zugute (wie im Scherzo der 7. Sinfonie). Mit kühlem Kopf konzipierte Einspielungen ohne ausgeprägte Fieberkurven – angesichts der Katalog-Konkurrenz nicht die schlechteste Empfehlung.
Michael Kube
FONO FORUM, Das Klassik-Magazin, Ausgabe Juli 2009
FONO FORUM, Das Klassik-Magazin, Ausgabe Juli 2009
© Landeshauptstadt Stuttgart, Stuttgarter Philharmoniker
